Die Vortragsreihe in Stuttgart 2011 / 2012

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Bergsteiger-Legende Hans Kammerlander kommt am 19.03.2011 nach Stuttgart

Was ihn aktuell beschäftigt erfahren Sie in diesem Interview.

Interview mit Hans Kammerlander (Dezember 2009)

Gibt es nach so vielen alpinen Erfolgen für Dich noch interessante Ziele?
Ja. Mein neuestes Ziel sind die Seven Second Summits, die jeweils zweithöchsten Berge der sieben Kontinente. Erst bin ich auf die Seven Summits aufmerksam geworden, die höchsten Berge. Doch ich habe schnell gemerkt, da will ich gar nicht hin, die sind völlig überlaufen. Deshalb habe ich mir die Second Summits ausgesucht. Sie sind deutlich anspruchsvoller. Und das Projekt wurde noch nie gemacht. Im April war ich am Ojos del Salado in Chile und im Oktober am Mount Kenia in Afrika. Den K2 habe ich schon 2001 bestiegen. Jetzt freue ich mich auf einen zweiten Versuch am Mount Logan in Kanada.

Der erste Besteigungsversuch im Mai ging schief. Was ist passiert?
Wir haben die gesamte Ausrüstung verloren. Auf gut 5.000 Meter Höhe haben wir ein Depot angelegt. Über Nacht ist da eine riesige Gletscherspalte aufgebrochen, 250 Meter lang und bis zu 50 Meter breit. Die Skier, alles war weg. Wir mussten heimfahren.

Sind die verbleibenden Second Summits für Dich noch eine echte Herausforderung?
In erster Linie sind sie schöne Ziele. Der Mount Tyree in der Antarktis ist allerdings nicht leicht zu besteigen. Da gibt es sehr hartes Eis - wie Glas. Da ist auch der Speed-Bergsteiger Christian Stangl mal gescheitert. Aber im Eis fühle ich mich wohl. Das wird sicher ein tolles Abenteuer, in einem ganz verlassenen Gebiet. Ein Scheitern wäre bitter, weil die Logistik für die Expedition extrem aufwändig ist.

Bis wann willst Du die sieben Gipfel bestiegen haben?
Ich gehe ganz ohne Druck. Wahrscheinlich bin ich bis spätestens Frühjahr 2011 fertig. Aber gegen einen Berg kann man sowieso nicht kämpfen. Da verliert man immer - ähnlich wie gegen eine Frau.

Gibt es im Höhenbergsteigen noch große Projekte oder ist alles abgegrast?
Es gibt noch genug ungelöste Probleme. Die großen Überschreitungen zum Beispiel, wie die Linie Everest, Lhotse, Nuptse.

Wer sind für Dich die Topalpinisten der Zukunft, die solche Probleme knacken können?
Der Schweizer Ueli Steck beeindruckt mich. Auch der Amerikaner Steve House. Die beiden haben gute Chancen, im Extrembergsteigen ganz nach vorne zu kommen. Um sie habe ich keine Angst. Außer es trifft sie ein Eisbrocken, so was weiß man nie. Über die Huber-Brüder müssen wir eigentlich gar nicht sprechen. Sie sind traumhafte Kletterer, zwei enorme Kraftprotze, schnell und psychisch stark. In der großen Höhe haben sie allerdings keine Chance, weil sie einfach zu muskulös, zu schwer sind. Vor allem der Alexander. Natürlich hätte auch Karl Unterkircher eine große Zukunft gehabt. Er war konditionell wahrscheinlich der stärkste von allen. Leider ist er 2008 am Nanga Parbat gestorben.

Was hältst Du von den Frauen an den großen Bergen? Eine von ihnen wird bald alle 14 Achttausender bestiegen haben.
Wahrscheinlich werden nicht die Besten die Ersten sein, sondern die Koreanerin Oh Eun-Sun. Das ist schade. Denn sie spielt ganz klar mit falschen Karten.

Du meinst, weil sie auf Flaschensauerstoff, Fixseile, Träger und Hubschrauber bei ihren Expeditionen zurückgreift.
Genau. Das ist unwürdig, in jeder Hinsicht. Besteigungen mit Flaschensauerstoff sollten nicht anerkannt werden. Was zählt, ist der Stil. Kaltenbrunner, Pasaban und Merois sind so stark. Gerlinde Kaltenbrunner ist in meinen Augen die beste. Ich kenne sie, seit sie mit dem Expeditionsbergsteigen angefangen hat, und bewundere sie. Sie hat die richtige Einstellung.

Du hast rund 60 Solobegehungen im VI. Grad gemacht. Bist Du dabei auch mal ein zu hohes Risiko eingegangen?
Einiges würde ich nicht mehr machen. Man kann auch nicht alles kontrollieren. So brach mir einmal bei einer Solokletterei an der Kleinen Zinne in den Dolomiten die Sohle meines Schuhs. Natürlich beginnt das Abenteuer dort, wo du die Lage nicht mehr ganz unter Kontrolle hast. Aber meine gefährlichen Jahre sind vorbei. Ich habe 25 Jahre lang den Wettlauf an den Bergen überlebt. Jetzt kann ich auch umdrehen, wenn das Risiko zu groß wird.

Hat das vielleicht auch damit zu tun, dass Du jetzt Familienvater bist. Deine Tochter ist 20 Monate alt.
Ja. Das ist für mich eine völlig neue Situation. Ich habe meine Zara dieses Jahr nicht so viel gesehen. Und jetzt möchte ich auch ein wenig Ruhe haben, um mehr Zeit mit ihr zu verbringen.

(aus: ALPINEWS, mit freundlicher Genehmigung des Kölner Alpenvereins, 06.12.2009)

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