Die Vortragsreihe in Stuttgart 2011 / 2012

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Reinhold Messner live - Passion for Limits am Samstag, 03.11.2012 in der Liederhalle in Stuttgart

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Traum und Abenteuer im Interview mit Hans Kammerlander

Ich bringe lieber Leben in die Jahre als Jahre ins Leben

Hans Kammerlander ist am 19.03.2011 mit dem Vortrags-Klassiker "Bergsüchtig" in Stuttgart zu Gast

Schnee. Soweit das Auge reicht. Riesige weiße Berge, die hoch in den wolkenlosen Himmel ragen. Die unberührte Landschaft zu genießen und ganz oben auf dem Berg zu stehen mit der Erkenntnis, den Giganten wieder bezwungen zu haben – das ist es, was Hans Kammerlander immer wieder auf die Berge zieht. Und das mit Erfolg: Über 2500 Klettertouren liegen hinter der Bergsteiger-Legende, 50 davon waren Erstbegehungen. Viele Jahre klettert er Seite an Seite mit Reinhold Messner. Trotz seiner großen Erfolge bleibt der Südtiroler auf dem Boden. Ein Interview über Höhen und Tiefen in den Bergen.

Am 19. März 2011 zeigst du in Stuttgart deinen Vortrag „Bergsüchtig“. Was macht dich süchtig am Berg?

Eigentlich ist es mehr eine große Leidenschaft. Die Leidenschaft am Berg ist schon entstanden, als ich klein war und mit der Zeit größer geworden. Ich bin auf dem Bauernhof aufgewachsen und war häufig draußen in der Natur. Ich habe einen älteren Bruder, der mich ab und zu mitgenommen hat. Der Natur in den Bergen nah zu sein, hat mir schon immer Spaß gemacht. Bergsteigen und Wintersport faszinieren mich seit meiner Jugendzeit. Ich habe mir ständig neue Ziele gesetzt und bin immer weiter gegangen und – so ist es einfach zu einer riesen Leidenschaft geworden, die mein Leben bis heute prägt. Aber natürlich ist es auch nicht ungefährlich.

Hast du keine Angst vor Unglücken? Du bist seit 2 ½ Jahren Vater und viele deiner Freunde sind nicht mehr vom Berg zurückgekehrt…

Nein, wenn ich auf den Berg gehe, dann weiß ich, wir spielen mit dem Wagnis, aber ich habe da keine Angst, weil ich alles unter Kontrolle hab. Ich brauche die Gefahr und das Risiko, so lernt man das Leben zu schätzen. Da oben darf ich keine Todesangst haben. Wenn du dich auf solchen Begehungen nicht sicher fühlst, darfst du nicht hochgehen, sonst verkrampfst du dich und hast da oben am Berg nichts zu suchen. Es gab auch Momente, in denen ich Glück gehabt habe, als mir zum Beispiel ein Stein nur wenige Millimeter am Kopf vorbei flog. Etwas Glück braucht man also auch.

Mit dieser Einstellung hast du als Erster 13 von den 14 Achttausendern bestiegen. Welcher davon war dein spannendster Aufstieg?

Das war der K2, der zweithöchste Berg der Welt. Das ist der König der Berge. Es ist vor allen Dingen durch die Steilheit der schwierigste Berg. Eine Besteigung ist das größte Ziel, von dem eigentlich jeder Höhen-Bergsteiger träumt. Es war ein sehr langer Weg, ich habe drei Anläufe gebraucht, bis es gelungen ist. Damit muss man aber am K2 rechnen. Die Bedingungen müssen einfach optimal sein und alles muss passen.

Du bist viel mit Reinhold Messner geklettert. Wie kam es dazu und wie war das gemeinsame Bergsteigen?

Ich habe ihn in seiner Alpinschule in Südtirol kennen gelernt. Ich war dort damals Bergführer. Irgendwann kam von seiner Seite die Einladung und der Beschluss, zusammen zu klettern. Aber natürlich ist es ein weiter Weg, bis eine Einladung von so einem Menschen kommt. Für mich war es super: Jemanden mit so einer Erfahrung an seiner Seite zu haben, ist Gold wert und er hat mir praktisch die Tür zu den ganz großen Bergen geöffnet. Er war für mich ein sehr wichtiger Mann – mein Lehrmeister.

Was waren eure gemeinsamen Erfolge?

Wir haben 7 Achttausender gemeinsam bestiegen. Der Höhepunkt war aber sicher die Doppelgipfelbesteigung, bei der wir zwei Achttausender überschritten haben. Das war erstmalig in der Alpingeschichte. Wir sind aber auch öfter gescheitert, das gehört einfach dazu. Wenn du ein schweres Ziel anpeilst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es nicht klappt. In solchen Momenten  haben wir uns dann gegenseitig motiviert, weiterzumachen, er war der Erfahrene, alte Fuchs, ich dagegen eher der Risikofreudige und noch Junge.

Seit 2009 hast du ein neues Ziel: Du willst die „Seven Second Summits“ bestreiten – auf allen sieben Kontinenten die jeweils zweithöchsten Berge.

Ja, ich nenne es „meine Reise über Berge um die ganze Welt“. Jetzt fehlen nur noch zwei Berge: Einer in Neuguinea, ein sehr leichter Berg und ein sehr harter in der Antarktis. Bis jetzt ist alles gut gelaufen. Es ist auch schön, neben dem Bergsteigen die vielen verschiedenen Kulturen kennen lernen zu können. Früher habe ich immer nur die Berge und die Gipfel gesehen und mich weniger für die Kulturen interessiert, inzwischen ist das aber anders – das Klettern hat mir die Möglichkeit gegeben, die verschiedenen Länder und Völker kennen zu lernen.

Du erzählst in deinem aktuellen Vortrag "Bergsüchtig" von deinen Höhen und Tiefen als Bergsteiger: Was erwartet die Zuschauer?

Ich beschreibe in meinem Vortrag die absoluten Schlüsselmomente in meinem Leben. So geht es zuerst um die Zeit von meiner Jugend und die drei großen Berge in den Alpen, die damals mein großer Traum waren. Im zweiten Teil erzähle ich von der Besteigung der drei höchsten Gipfel der Welt, meiner Skiabfahrt des Mount Everest und der Besteigung des K2. Vorträge zu halten, macht mir auch viel Spaß. Ich möchte mit meinen Vorträgen den Leuten die Berge ins Haus bringen, möchte ihnen Eindrücke erzählen von den Menschen, den Bergen und ihnen auch meine Gefühle zeigen, die Spannungen, die Augenblicke der Freude. Mit einem Teil des Erlöses der Vorträge unterstütze ich seit 15 Jahren Projekte in Nepal, 15 Schulen und Kinderheime sind mittlerweile gebaut worden – ein schönes Gefühl, helfen zu können.

Jetzt organisierst du auch 24-Stunden-Wanderungen.

Ja, wir wandern 24 Stunden, die ganze Nacht ohne Schlafen und immer in Aktion. Das ist schon eine Herausforderung. Wir geben ein Tempo an und wer es nicht schafft, wird mit dem Begleitfahrzeug abgeholt. Es macht Spaß, den Leuten eine Stütze zu sein und sie immer wieder zu motivieren, damit sie die harte Tour bis zum Schluss schaffen. Mit meiner Arbeit versuche ich, viel Leben in die Jahre zu bekommen, als Jahre ins Leben – das ist was Schönes.

Das Interview führte Katharina Feldgen

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